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Gewissheit nach 81 Jahren

Gewissheit nach 81 Jahren

Zur diesjährigen Gedenkveranstaltung aus Anlass des 81. Jahrestages der Errichtung des KZ-Außenlagers Engerhafe kam besonderer Besuch. Familienangehörige des am 23. November 1944 in Engerhafe verstorbenen Tomasz Edward Gruca aus Polen, erfuhren über das Internet, wo ihr Großvater bzw. Urgroßvater verstorben war und nahmen die lange Autoreise auf sich. Nach über 80 Jahren konnten endlich sie Kerzen an seinem Grab aufstellen, etwas Erde mit zum Familiengrab nach Warschau nehmen und für ihn ein Gebet sprechen.

Der Enkel Macieji Bogdański hielt am 26. Oktober 2025 eine spontane Ansprache am Panzergrabenmahnmal im Sandhorster Forst im Anschluss an ein stilles Gedenken zu Ehren der verstorbenen KZ-Häftlinge:

„Ich bin heute, wie auch gestern, tief bewegt, dass ich teilnehmen konnte und diese Geschichte nach 80 Jahren abschließen durfte. Es bedeutet mir viel, dass ich als erster aus meiner Familie gemeinsam mit meinem Neffen und dem Ehemann meiner Cousine Mirosław hierherkommen konnte, um Blumen niederzulegen und Kerzen am Grab meines Großvaters zu entzünden. Ich habe
das Gefühl, dass er nun Seelenfrieden gefunden hat, weil endlich jemand aus der Familie gekommen ist und gesehen hat, wo er begraben liegt. Bis jetzt wussten wir weder den genauen Ort noch die Umstände seines Todes.

Ich möchte sagen, dass ich zutiefst bewegt und allen Menschen dankbar bin, die sich dafür einsetzen, dass die Erinnerung an jene schrecklichen Tage für die Häftlinge dieses Lagers bewahrt bleibt. Die Orte des Gedenkens und der Respekt, der diesen Menschen heute entgegengebracht wird, erfüllen mich mit Hoffnung, dass kommende Generationen dieses Andenken weitertragen und
niemals zulassen werden, dass solches Leid wieder geschieht. Dass wir unsere Angehörigen betrauern müssen, ohne zu wissen, wo sie sind, unter welchen Umständen sie starben und auf welch grausame Weise sie ermordet wurden, darf sich nie wiederholen.

Wir sind heute die Zeitzeugen – mit der Verantwortung, ihre Erinnerung lebendig zu halten und die Geschichte weiterzutragen, damit sie nicht im Schweigen vergeht. Ich danke allen in Engerhafe sowie den lokalen Initiativen und den Behörden dieser Stadt von Herzen dafür, dass sie sich so sehr bemüht haben, den Menschen, die hier ihr Leben ließen, Ehre zu erweisen. Danke.“ (Übersetzung: Hanna Stübecke)