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Biographie Iwan Rjabow Michajlowitsch

Biographie Iwan Rjabow Michajlowitsch

Frühe Jahre und Familiengründung

Iwan Rjabow wird am 19. Mai 1911 im Dorf Lasarewo, im Bezirk Kassimowski, ca. 250 km von Moskau entfernt, geboren. Hier wächst er auf. Mit 19 Jahren heiratet er am 21. Juli 1930 Anna Jakowlewna. Iwan Rjabow arbeitet als Zimmermann, später übernimmt er verschiedene Tätigkeiten im örtlichen sozialistischen Großbetrieb. Er baut für seine Familie selbst das Haus, in dem sie schon bald mit den beiden Töchtern, Nina und Walentina, wohnen.

Soldat

Nina ist zweieinhalb Jahre, Walentina nur 10 Wochen, als Iwan Rjabow seine Familie verlassen muss. Noch vor dem Krieg wird er als Soldat an die litauische Grenze geschickt.

Litauen wird im Oktober 1939 durch die Sowjetunion gezwungen, der Stationierung russischer Soldaten im Land zuzustimmen. Im Juni 1940 nimmt die Sowjetunion Litauen ein.

Iwan Rjabow schreibt seiner Frau und den Töchtern sehnlich erwartete Briefe. Die Briefe werden aber immer seltener und schließlich kommen gar keine mehr zu Hause an.

Kriegsgefangenschaft

Am 22. Juni 1941 startet die Wehrmacht den Überfall auf die Sowjetunion und beginnt ihren Vernichtungskrieg. Auch Kriegsgefangene werden nicht verschont: insgesamt 5 Millionen sowjetische Soldaten geraten bis 1945 in deutsche Kriegsgefangenschaft, nur ein Drittel überleben dies.

Iwan Rjabow gerät am 30. Juni 1941 bei Kaunas/Litauen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Am 7. Oktober 1941 wird er ins Deutsche Reich, in das Kriegsgefangen-Mannschaftsstammlager Sandbostel in der Nähe von Bremervörde verlegt. Zur Ankunft der sowjetischen Kriegsgefangenen in Sandbostel gibt der französische ehemalige Kriegsgefangene Paul Roser im Nürnberger Prozess später zu Protokoll:

„Die Russen kamen in Fünfer-Kolonnen an und stützten sich gegenseitig, denn keiner von ihnen konnte alleine gehen. Wandernde Skelette ist wirklich der einzige zutreffende Ausdruck …. Fast alle schielten, denn sie hatten nicht mehr die nötige Kraft, um ihre Augen anzupassen. Sie fielen reihenweise um, fünf Mann auf einmal; die Deutschen stürzten sich auf sie und schlugen sie mit Gewehrkolben und mit Peitschen …“

Iwan Rjabow wird mit ca. 20.000 sowjetischen Kriegsgefangenen in Baracken zusammengepfercht, sie leiden Hunger und werden am schlechtesten behandelt. Ungefähr 3.000 sterben noch im Winter 1941/42.

Zwangsarbeit in Wiesmoor

Im Juni 1942 wird Iwan nach Wiesmoor überstellt, wo er Zwangsarbeit für die Nordwestdeutschen Kraftwerke leisten soll. Von 1942 bis 1944 wird das Kraftwerk auch mit Hilfe der Zwangsarbeiter modernisiert und verdoppelt seine Stromproduktion.

Eine Zeitzeugin aus Wiesmoor erinnerte sich später an die Situation der Arbeiter: „Ein Lager war gar nicht weit weg von unserer Wohnung. Die Gefangenen, eigentlich nur Russen und Franzosen, mussten fast alle im Moor arbeiten. Was wir da gesehen haben, wie die behandelt wurden, das war wirklich grauenvoll. […] Im Lager muss das sehr schlimm gewesen sein. Da bekamen sie fast nichts zu essen.“

Tod

Unter diesen katastrophalen Bedingungen stirbt Iwan Rjabow nach nur 5 Monaten in Wiesmoor im Alter von 31 Jahren am 25. November 1942. Er wird auf dem Gelände des Torfkraftwerkes begraben. 1952 wird er zusammen mit zehn weiteren, in Wiesmoor verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen in die Kriegsgräberstätte „Zum Ewigen Meer“ in Aurich-Tannenhausen umgebettet.

Gewissheit für die Familie

Nach dem Kriegsende 1945 hoffen Anna Rjabow und die beiden Töchter Walentina und Nina, dass der Vater und Ehemann aus der deutschen Gefangenschaft zurückkehrt. „Wir warteten, warteten das ganze Leben.“

Erst 1952 erhalten sie eine Todesmitteilung, aber jahrzehntelang bleiben sie im Ungewissen, wo und wie Iwan Rjabow gestorben ist.

Wohin man sich wandte“, so erinnert sich Tochter Nina im Jahr 2012, „überall hörte man ein und dasselbe: Er ist in der Gefangenschaft umgekommen, es gibt keine genauen Daten.“ Der Wunsch, an Iwans Grab Blumen niederzulegen, bleibt Anna verwehrt. Sie stirbt am 27. Oktober 1981.

Erst im Jahr 2012 stößt eine Projektgruppe der Hauptschule Aurich unter der Leitung von Alwin de Buhr auf eine Suchanfrage der Familie über den Verbleib von Iwan Rjabow. Sie melden sich bei der Familie und können ihnen endlich Gewissheit über das Schicksal und den Verbleib ihres Vaters, Großvaters und Urgroßvaters geben. Die Urenkelin Irina antwortet im November 2012 mit einem ergreifenden Dankesbrief im Namen der gesamten Familie und schreibt: „Das Haus, das von seinen Händen aufgebaut wurde, steht bis jetzt. Nur lebt darin schon niemand mehr.“