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Kriegsgefangenenlager 1201 Wiegboldsbur

Maschinenschuppen auf dem Bauernhof von Kaspar Voß, Steingebäude Etwa 25 Franzosen Bewacht durch Landesschützen- Bataillon 679 Landwirtschaft, auch in Nachbarorten 1940 bis 1945

Kriegsgefangenenlager 1201 Wiegboldsbur

Maschinenschuppen auf dem Bauernhof von Kaspar Voß, Steingebäude Etwa 25 Franzosen Bewacht durch Landesschützen- Bataillon 679 Landwirtschaft, auch in Nachbarorten 1940 bis 1945

Wiegboldsbur AK 1201

Während des Zweiten Weltkrieges gab es ab Frühjahr 1943 (?) in Wiegboldsbur eine Unterkunft für Kriegsgefangene (Arbeitskommando) mit etwa 20 französischen Kriegsgefangenen (August 1943 24 Franzosen), die in der massiv gebauten Nebenscheune/Maschinenschuppen des Bauernhofes von Kaspar Voß an der Forlitzer Straße zwischen Wiegboldsbur und Buschplatz untergebracht waren und in landwirtschaftlichen Betrieben der Ortschaften Wiegboldsbur, Bedekaspel und Forlitz-Blaukirchen eingesetzt wurden. Vertrauensmann im Kommando war Marcel Villegier, Erkennungsnummer 66.846. Die Unterkunft war zusätzlich mit Stacheldraht gesichert und von Landesschützen des Landesschützenbataillons 679 bewacht.

Der Dienst des Wachmanns Rolf Haneburger in Wiegboldsbur umfasste den Zeitraum von neun Monaten bis November 1943. Dort waren anfangs zwecks Einarbeitung zwei Wachleute. Danach als einziger Wachmann hatte er etwa 20 französische Kriegsgefangene zu betreuen, die in den Ortschaften Wiegboldsbur, Bedekaspel und Forlitz – Blaukirchen eingesetzt wurden und so gut wie ausschließlich in der Landwirtschaft arbeiteten. Die Gefangenen wurden jeweils morgens um sieben Uhr ohne Bewachung zu ihrer Arbeitsstelle geschickt, wurden von ihren Arbeitgebern voll verpflegt und kamen zur vorgeschriebenen Zeit ins Lager zurück. Über Einsatzort und -zeit der Gefangenen, Ausfälle durch Krankheiten u.s.w. wurde detailliert Buch geführt. Arztbesuche erfolgten in Begleitung des Wachmannes, wobei die Anfahrt zum Bahnhof Victorbur mit dem Fahrrad und die Weiterfahrt per Bahn geschah. Kleiderreparaturen und -reinigungen für die Gefangenen wurden in Leer durchgeführt, wobei der Transport von und nach dort über den Bahnhof Abelitz erfolgte. Abgängige Uniformteile wurden originalgetreu ersetzt. Haneburger berichtet, dass die französischen Gefangenen trotz Kriegsbedingungen von den Amerikanern mit Paketen versorgt wurden, und somit Lebens- und Genussmittel bekamen, von denen die einheimische Zivilbevölkerung damals nur träumen konnte. Im Gegensatz zu den Franzosen erhielten die russischen Gefangenen keine Post.

Haneburger meint, dass die in der Landwirtschaft eingesetzten Gefangenen unter besseren Lebensbedingungen arbeiteten, als in der Industrie. Zwischenfälle, etwa Fluchtversuche, Aufsässigkeit oder gar Strafaktionen gegenüber den Gefangenen hat es während seiner diesbezüglichen Dienstzeit in seinem Einsatzbereich nicht gegeben.1

Das Kommando soll von 1940 bis Kriegsende bestanden haben.

Nach einer Aufstellung in der Lagerzeitung „La Francisque“ Nr. 24 des Stalag X C vom August 1944 waren zu dem Zeitpunkt noch französische Kriegsgefangene im Kommando.

(verfasst von Alwin de Buhr und Hans-Jürgen Sonnenberg)

1 Bericht über den Dienst von Rolf Haneburger aus Riepster Hammrich als Wachmann in Kriegsgefangenenlagern des 2. Weltkrieges, aufgenommen von Peter Feldkamp am 20. April 2004

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