Im Februar 1942 bauten etwa 60 Niederländer ein für maximal 450 Arbeiter ausgelegtes Barackenlager nördlich hinter dem Schatthaus in Loppersum. Das Lager wurde im Auftrag der Stadt Emden errichtet und von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) unterhalten. Im April bezogen mindestens 200 ausländische Arbeiter das Lager. 6 „Ostarbeiterinnen“ wurden als Küchenpersonal im „Gemeinschaftslager“ eingesetzt. Die Zwangsarbeiter wurden in Emden zur Errichtung der Bunker eingesetzt (1). Zeitgleich wurde ebenfalls im Auftrag der Stadt Emden für den Zweck des Bunkerbaus ein weiteres Arbeitslager in Engerhafe eingerichtet.
Einer der Zwangsarbeiter des Gemeinschaftslagers aus Loppersum war Hendrik Nicolaas Edenburg, dessen Geschichte im Folgenden kurz geschildert wird:
Hendrik Nicolaas, geboren am 3. April 1913 in Rotterdam, heiratete 1941 und lebte 1944 mit seiner Frau im Stadtteil Oud-Mathenesse, Professor Poelslaan 66b.
Am 10. November 1944 wurde er bei einer Razzia der deutschen Besatzer in Rotterdam und Schiedam festgenommen, nachdem er sich eigentlich freiwillig für Arbeiten im Reich anmelden wollte. Er wurde daraufhin zusammen mit vielen anderen Männern verschleppt. Zunächst glaubte er, nur kurz in den Niederlanden arbeiten zu müssen, doch schon am selben Tag begann der Abtransport nach Deutschland über den Hafen in Rotterdam.
Sie wurden auf einen Lastkahn („St. Antonie“) gebracht. Während des Transports kam es zu dramatischen Ereignissen: Eine von Widerständlern gegen die deutschen Besatzer angebrachte Zeitbombe explodierte auf dem Lastkahn nahe Jutphaas. Niederländische Widerstandskämpfer versuchten aber den Abtransport zu sabotieren. Das Schiff wurde schwer beschädigt und begann zu sinken. Einige Männer starben, doch Hendrik und die anderen konnten sich auf einem längsseits abgelegten Schlepper retten. Über einige Zwischenstationen ging der Transport aber weiter. Schließlich erreichte der Gefangenen-Transport Kampen.
Von dort wurden sie nach Deutschland deportiert, und Hendrik kam nach Loppersum, Emden und weiter nach Osnabrück. Er musste schwere Zwangsarbeit leisten, etwa im Bau und an Bahngleisen. Die Bedingungen waren extrem hart: Hunger, Schlafmangel und bei Bombenangriffen durften die Schutzräume von Zwangsarbeitern ja nicht benutzt werden. Danach kam er wieder nach Emden zurück.
Aus Dokumenten geht hervor, das Hendrik Nicolaas Edenburg in Emden auch in den Lagern „Früchteburg“ und „Neue Heimat“ untergebracht war und bis zum 16.01.1945 bei Johannes Stürenburg in Emden gearbeitet hat. (2)
Im April 1945 kurz vor Kriegsende wurde Hendrik zusammen mit vielen anderen Gefangenen zu einem langen Fußmarsch gezwungen. Kurz darauf gelangte er wieder in die Niederlande. Eine Bauernfamilie in Beerta versorgte ihn, wo er schließlich die Befreiung erlebte.
Im Juni 1945 kehrte er nach Rotterdam zurück. Dort erfuhr er, dass seine Mutter kurz nach seiner Verschleppung gestorben war. Nach dem Krieg wurde er Vater und baute sich ein neues Leben auf.
Hendrik starb am 21. November 1999 im Alter von 86 Jahren in Rotterdam.(3)
Ouellenangaben:
(1) Buch „Chronik von Loppersum“ Herausgeber Pastor E. van Ophuysen 1966. Seite 277/278
(2) Arolsen Archives
(3) Orloogsbronnen Hendrik Nicolaas Edenburg (Rotterdam, 3. April 1913 – Rotterdam, 21. November 1999) – Oorlogsbronnen.nl
Haben Sie Fotos, Objekte, Geschichten zum Thema Zwangsarbeit? Melden Sie sich gerne bei uns.
Das Rechercheportal lebt vom Austausch und weiteren Hinweisen. Vielen Dank!
Haben Sie Fotos, Objekte, Geschichten zum Thema Zwangsarbeit? Melden Sie sich gerne bei uns.
Das Rechercheportal lebt vom Austausch und weiteren Hinweisen. Vielen Dank!