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KZ-Gedenkstätte Engerhafe und Europahaus Aurich starten gemeinsames Bildungsprojekt

KZ-Gedenkstätte Engerhafe und Europahaus Aurich starten gemeinsames Bildungsprojekt

Aurich/Engerhafe. Die KZ-Gedenkstätte Engerhafe und das Europahaus Aurich starten gemeinsam ein zweijähriges Projekt zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zwangsarbeit in Ostfriesland.

Zwangsarbeit war während  des Nationalsozialismus  auch in Ostfriesland allgegenwärtig. Tausende Menschen aus den von Deutschland besetzten Ländern wurden zur Arbeit gezwungen und unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet. Von ihrer Arbeitskraft profitierten auch zahlreiche Betriebe und Privatpersonen in Ostfriesland, insbesondere in der Landwirtschaft. Dennoch wurde die Geschichte der NS-Zwangsarbeit in Ostfriesland bis heute nur unzureichend erforscht und sichtbar gemacht.

Hier setzt das neue Projekt an: Jugendliche sollen die Möglichkeit erhalten, sich auf Spurensuche in ihrer eigenen Stadt oder Gemeinde zu begeben und der Frage nachzugehen, was während der NS-Zeit bei ihnen vor Ort geschah. Dabei können auch Geschichten aus der eigenen Familie eine Rolle spielen.

Die Jugendlichen recherchieren historische Quellen, beschäftigen sich mit Biografien und setzen sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinander. Im Mittelpunkt sollen dabei insbesondere die Geschichten von weiblichen Zwangsarbeiterinnen stehen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von historischer Bildungsarbeit und digitalen sowie künstlerischen Methoden. Die Ergebnisse ihrer Recherche verarbeiten die Jugendlichen kreativ und auf vielfältige Weise zu einer „digitalen Landkarte der Erinnerung“. Historische Orte und Geschichten werden dadurch nicht nur dokumentiert, sondern auf eine zeitgemäße und auch für junge Menschen zugängliche Weise erzählt.

Die Gedenkstätte KZ Engerhafe und das Europahaus Aurich verbinden mit dem gemeinsamen Projekt historische Aufarbeitung mit demokratischer Bildungsarbeit. Ziel ist es, bislang wenig beachtete Geschichten der NS-Zwangsarbeit in Ostfriesland sichtbar zu machen und Jugendliche darin zu stärken, gegenwärtige Formen von Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit zu erkennen und ihnen kritisch entgegenzutreten.

„Wir wollen Geschichte dort sichtbar machen, wo sie stattgefunden hat – im eigenen Ort, in der eigenen Nachbarschaft und manchmal sogar in der eigenen Familiengeschichte“, sagt Heiko Kiser, Leiter der Gedenkstätte Engerhafe. „Gerade die Verbindung von lokaler Recherche, digitalem Storytelling und der Auseinandersetzung mit heutigen Formen von Rassismus und Menschenfeindlichkeit eröffnet Jugendlichen einen persönlichen Zugang zur NS-Geschichte“, ergänzt Gesine Agena, stv. Leiterin vom Europahaus Aurich.

Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) in Höhe von rund 360.000€ gefördert und im Rahmen des Förderprogramms „Bildungsagenda NS – Unrecht“ von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) umgesetzt.

Seit dem 01. September ist die Historikerin Selina Kaufmann im Rahmen des Projekts Teil des Teams der KZ-Gedenkstätte Engerhafe. Für das Europahaus Aurich ist Gerke Halvaie als Projektleiter für die Umsetzung engagiert.