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Stolpersteinverlegung für Lammert Wever in Amsterdam

Stolpersteinverlegung für Lammert Wever in Amsterdam

Ein Bericht von Hilke Osterwald

Frühlingsanfang in Amsterdam – ein frischer, aber sonniger Morgen. Zu zweit laufen wir, Vertreterinnen des Vorstands der Gedenkstätte Engerhafe, zur Frederik Hendrikstraat. Ein bisschen mulmig ist uns zumute. Wir gehen zur Stolpersteinverlegung für Lammert Wever, der im Alter von 34 Jahren in Engerhafe im KZ-Außenlager ums Leben gekommen ist. Wir werden den Initiator der Verlegung, Rolf Allerdissen, treffen und Vertreterinnen der Stadt Amsterdam sowie vor allem Angehörige von Lammert Wever, die extra zu diesem Anlass aus Utah, USA, angereist sind. Weitere Familienangehörige nehmen per Videokonferenz teil. Wie begegnen wir uns? Als Vertreterin der Gedenkstätte werde ich eine Rede halten und merke, dass mir die Aufgabe nicht leicht fällt.

Wir stehen auf dem breiten Fußweg vor dem Haus, in dem Lammert Wever gewohnt hat, als er 1944 verhaftet wurde. Von dort begann seine Odysee durch deutsche Konzentrationslager. Bis nach Engerhafe, wo er am 28. Nov. 1944 starb.

Die Amsterdamer Bezirksbürgermeisterin Hester van Buren sagte in ihrer Rede: „Zu dieser Zeit gab es nicht viele Helden. Tatsächlich war auch von Kollaboration und Verrat die Rede, auch unter städtischen Angestellten. Die meisten Menschen waren nicht glücklich mit dem Besatzer, schauten aber weg, als es darauf ankam. Aus Angst, Unbehagen, Scham oder Gleichgültigkeit.“ Aber nicht Lammert Wever. Er nahm „das öffentliche Interesse schützen“ und „der Stadt dienen“ wörtlich und schloss sich dem Widerstand an.

Für die Angehörigen, die alle in den USA bzw. Australien geboren sind, waren seine Geschichte und die Geschichte des Nationalsozialismus, des 2. Weltkriegs, der Besatzung der Niederlande und der Konzentrationslager fremd und weit weg von ihrer Lebenswirklichkeit. Als wir nach der Stolpersteinverlegung gemeinsam zu Mittag gegessen haben, konnten wir mehr erzählen – von Engerhafe und seinem Grab, von der Gedenkstätte und warum wir dort arbeiten. Denn das war ihre Frage: „Warum tut ihr das?“

Wir tun es, damit das Leben von Lammert Wever und der unzähligen Menschen, die unter dieser Gewaltherrschaft gelitten haben, nicht vergessen werden, damit wir gemeinsam dafür eintreten können, dass nicht wieder geschieht, was damals geschehen ist!   

Lammert Wever wurde am 8. Dez.1909 in Leeuwarden, Niederlande, als Sohn von Wijbe W. Wever und Aukje, geb. Veenstra, und Bruder von Antje geboren. Er war konfessionslos. Sein Vater war Fabrikarbeiter, später Polizist. Die Familie wohnte im Arbeiterviertel Hulstbuurt in Leeuwarden, später in Amsterdam. Mit 21 heiratete Lammert Wever Maartje Brandsen. Sie hatten zwei Kinder, Wijbe und Hetty, und wohnten in der Frederik Hendrikstraat 47. Er war Bürokaufmann und arbeitete als Gemeindebeamter in Amsterdam.

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande 1940 begann er unter größter Verschwiegenheit gegenüber Kollegen und seiner Familie in einer Widerstandsgruppe mitzuarbeiten. Am 24.3.1944 wurde er in Amsterdam verhaftet und nach Scheveningen und von dort ins KZ Herzogenbusch gebracht. Über Sachsenhausen wurde er am 16.10.1944 wurde er ins KZ Neuengamme überstellt, dann weiter ins Außenlager in Engerhafe. Er verstarb am 28.11.1944 und wurde einen Tag später beerdigt. Als Todesursache wurde blutige Diarrhoe angegeben. Nach der Exhumierung 1952 wurde er in einem Einzelgrab neu bestattet.

Er wurde 34 Jahre alt.